Burg Dauchstein

Burg Dauchstein

Diesen Artikel veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Annette Langguht!

Im südlichen Odenwald auf der Gemarkung Binau gelegen, gehört die Burg Dauchstein zu einer der vielen Burgen, die den Neckar an prominenter Stelle überblicken und nimmt so direkten Bezug auf jenen wichtigen Handels- und Transportweg, welcher seit Menschengedenken genutzt wurde.

Die bisher ältesten archäologischen Funde in der Umgebung der kleinen Zollburg stammen aus der späten Bronzezeit, welche sich auch heute noch im Binauer Forst durch zwei Grabhügel ausweist. Weitere sollen in der nahen Umgebung existieren. Ebenso wird ein Steinkistengrab aus der jüngeren Bronzezeit im Gewann „Knoden“ beschrieben.
Frühere Besiedelungen bringen sich durch römische, alemannische und fränkische Lesefunde in Erinnerung. Die erste urkundliche Erwähnung von Binau finden wir 769 n. Chr. mit dem Namen Benenheim.

Die Burg liegt auf einem Kalksteinfelsen des unteren Muschelkalk und ist heute bis auf den in großen Teilen erhaltenen und im obersten Stockwerk wieder aufgebauten Wohnturm nur noch in Grundmauern des Palas und der Schildmauer sichtbar.
Früher muss die Burg weithin sichtbar gewesen sein, da im gegenwärtig umgebenden Wald noch Spuren der einstig terrassierten Wirtschaftsflächen erkennbar sind.
Eine Fotographie aus dem frühen 20. Jh. zeigt die Burgruine freistehend am steilen Hang über dem Neckar inmitten von kleineren Terrassen, die dem Weinbau dienten.
Der Wohnturm weist als Besonderheiten ein innen liegendes Treppenhaus und einen ebenfalls innen befindlichen Abtritt mit Abflussröhre auf. Auf dem Burggelände befinden sich 2 Wasserquellen.

Erbaut wurde die Burg vielleicht um 1150, eineinhalb km vom Dorf entfernt und ihr Zweck als Zollburg scheint unumstritten. Urkundliche Erwähnung als Burgherr findet erstmals Kuno von Tahenstein 1180 n. Chr.
Es existieren einige ungesicherte Deutungen des Burgnamens, so z.B. gibt es die Geschichte, daß eine Kette über den Neckar gespannt worden sein soll, um die Schiffe zwecks Eintreibens von Wegezoll an ihrer Fahrt zu hindern. Nach Entrichtung wurde die Kette gesenkt, also „gedaucht“.
Eine andere Version führt den Namen auf den felsigen Untergrund zurück, der aus einer Art Tuffstein besteht.
Die Herleitung des Burgnamens vom Geschlecht derer von Tahenstein, die nicht nur als erste Burgherren anzusprechen sind, sondern vermutlich Besitzungen in der näheren Umgebung hielten, ist ebenfalls eine Möglichkeit.

Die nächsten urkundliche Erwähnungen tauchen erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts wieder  mit Heinrich von Bynheim und folgend durch das Geschlecht derer von Helmstatt auf. Die Erbauungszeit des Wohnturmes kann durch dendrochronologische Untersuchungen an einem Stück Rüstholz auf den Winter 1334/1335 gelegt werden. (Siehe hierzu: Ludwig H. Hildebrandt: „Neue Erkenntnisse über die Burg Dauchstein bei Binau“, NOK in Kraichgau Folge 19/2005, Eppingen 2005).
Es wird angenommen, daß zu dieser Zeit die Burg vom Pfalzgrafen neu errichtet und mit dem Ministerialiengeschlecht von Bynheim besetzt wurde.
Nach dem Geschlecht der Helmstätter wird die Burg 1448 an Dieter von Bödigheim verkauft, dessen Nachkomme Georg von Bödigheim im 16. Jhdt. seine zwei Töchter an die zwei Brüder Hans Dieter III. und Hans Hans IV. Landschad von Steinach verheiratete, die an dem Binauer Besitz Interesse hatten.

Nachdem in der Folgezeit die Burg allmählich verfiel, wurde sie 1629 an die Herren von Hunoltsstein verkauft und zeitweise im Untergeschoss als Gefängnis genutzt.
Ein Wächterbau muss in dieser Zeit, nach dem Zerfall des Palas, errichtet worden sein.

Auch im 18. Jhdt. erlebte die Burg einen regen Besitzerwechsel und gehörte u.a. den Freiherren von Adelsheim (1714-63), Graf Andreas von Riaucour (1767) und Carl Theodor von Schall (1771).

Heute befindet sich Burg Dauchstein seit etwa 10 Jahren in Privatbesitz; die Besitzer kümmern sich um die Sicherung der Anlage und haben unter anderem den Wohnturm in einen bewohnbaren Zustand versetzt. Das Gelände ist frei begehbar und von der oberhalb verlaufenden Verbindungsstraße zwischen Binau Siedlung und Binau Ort leicht zu Fuß erreichbar.